Das Schloss vor Husum

Das Schloss vor Husum, so genannt weil es früher außerhalb der Stadtgrenzen lag, ist das einzige landesherrliche Schloss an der schleswig-holsteinischen Westküste und unterstreicht die Bedeutung der Stadt Husum, die sie seit alters her für den westlichen Landesteil hatte.

Erbauer war Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf (1526-1586). Er war der erste Herrscher dieses durch Erbteilung 1544 entstandenen Herzogtums, das bis ins 18. Jahrhundert bestand hatte. Nachfahren des Herzogs aus verschiedenen Linien gelangten auf den schwedischen Thron, wurden Zaren von Russland und Großherzöge von Oldenburg. Herzog Adolf brauchte das Husumer Schloss als zeitweise Residenz während seiner Aufenthalte an der Westküste.

Das Schloss wurde 1577-82 im Stil der niederländischen Renaissance errichtet. Die später erbauten dänischen Schlösser Frederiksborg und Rosenborg bei bzw. in Kopenhagen hatten große Ähnlichkeit mit dem Husumer Bau mit seinen sieben Türmen und Türmchen und das rote, durch helle Bänder gegliederte Mauerwerk. Künstler vor allem aus Westeuropa wirkten an dem Bau mit, der damals außerordentlich modern war.

Vor allem im 17. Jahrhundert erhielt das Schloss eine prachtvolle Ausstattung. Damals residierten in Husum die Herzoginwitwen Augusta (in Husum von 1616 bis zu ihrem Tod 1639) und Maria Elisabeth (in Husum von 1660 – 1684) Sie bauten ihre Residenz aus und machten sie zu einem Zentrum der Kultur. Die Förderung der Bildenden Kunst, die Musik und die Gartenkunst lag beiden Fürstinnen am Herzen. Vor allem die eindrucksvollen Kamine, die zum Teil eigene architektonische und bildhauerische Kunstwerke sind und aus dem frühen 17. Jahrhundert stammen, eine Reihe von Gemälden, sowie einige Möbel haben sich aus dieser Zeit erhalten. Bis heute ist auch der Schlossgarten geblieben, der allerdings im 19. Jahrhundert im englischen Stil umgestaltet wurde. Vermutlich stammen die Krokusse noch aus der Zeit der Herzoginnen, deren Sammelleidenschaft für außergewöhnliche Pflanzen bekannt war. Diese Krokusse bedecken heute im Frühjahr während ihrer Blüte die gesamte Fläche des Gartens mit einem lila Teppich.

Nachdem die Gottorfer Herzöge den nördlichen Teil ihres Territoriums, zu dem auch Husum gehörte, infolge des verlorenen Nordischen Krieges 1721 an den dänischen König abgeben mussten, verfiel das Husumer Schloss allmählich. Nach einem Besuch 1748 in Husum entschloss sich aber der junge König Friedrich V. das Schloss nicht abzureißen, sondern es in damals modernen Formen wiederherzustellen.

In der Zeit von 1750 bis 1752 wurde das Schloss so umgebaut, dass es den Bedürfnissen des Königs für kürzere Besuche entsprach. Aus dem ehemals herzoglichen Gebäude des 16. und 17. Jahrhunderts wurde eine königliches Schloss des 18. Jahrhunderts. Dabei durften das für die Repräsentation notwendige „Staatsappartement“ nicht fehlen. Und so weist bis heute das Husumer Schloss die typische barocke Raumfolge auf: Ehrenhof, Vestibül, Paradetreppe, sowie im Obergeschoss Rittersaal, Audienzgemach und Schlafzimmer. Im Erdgeschoss befanden sich außerdem das königliche Speisezimmer, einige weitere „Gemächer“, die Schlosskappelle und im südlichen Nebengebäude eine „sala terrena“, also ein Gartensaal.

Neben der Besichtigung der ehemaligen Staatsräume bietet es den Besuchern zahlreiche Sonderausstellungen. Außerdem weist es – wie im 17. Jahrhundert – ein reiches Kulturleben auf mit Konzerten, Vorträgen und Aufführungen von Kleinkunstbühnen. Das Schloss vor Husum ist heute Teil des Museumsverbundes Nordfriesland.

Dr. Ulf von Hielmcrone

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Schloss vor Husum
25813 Husum
König-Friedrich-V.-Allee
Tel. 04841/8973-130

Winteröffnungszeiten:
bis Mitte März - Freitag bis Sonntag
11.00 - 16.00 Uhr (außer Weihnachten und Silvester)

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Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf
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Der "Todeskampfkamin" und das Porträt des Herzogs Johann Friedrich von Gottorf (1577-1634)