SHZ-Kultur vom 24. August 2009

von Detlef Bielefeld

Originelle Klavierraritäten mit südamerikanischem Flair und atemlosen Vorträgen

"Variatio delectat" - was den ollen Römern recht war, muss pianophilen Festivalfans billig sein: Die zweite Hälfte des Raritätenfestivals in Husum überwältigte den engagierten Hörer mit einer schier überbordenden Vielfalt an halbvergessenen Komponisten und ihren originell-vertrackten Werken in unterschiedlichsten Interpretationsansätzen.


Die Brasilianerin Eliane Rodrigues präsentierte sich und ihre südamerikanisch geprägte Werkauswahl in bestechend verführerischer Form, versenkte sich in herb-abgründigen Klangwelten eines Leo Janaceks und Carl Nielsens, um in Nikolai Kapustins jazzig-grimassierender Konzertetude mit unwiderstehlichem Aplomb zu triumphieren.

Grandios das gewichtige Recital von Konstantin Scherbakov. Schon seine Programmklimax von Ottorino Respighi über Leopold Godowsky zu Beethoven/Liszt verhieß Außerordentliches; der schier atemlos machende Vortrag des Russen bestach durch stupende Technik, überlegende Gestaltung und nimmermüde Präsenz. Godowskys "Java Suite" geriet unter seinen gebieterischen Händen zu einer variantenreichen "tour de force", Beethovens 2. Sinfonie aus der Sicht von Liszt machte an diesem Abend den Einsatz eines Sinfonieorchesters obsolet.

Um einiges dezenter die Amerikanerin Janice Weber mit einem bewusst heterogenen Programm: kantig und letztlich resignativ die grau gefärbte Sonata von Ernst Bloch (1934), aufmüpfig-genial die frühe Klaviersonate (1924) eines damals recht unangepassten Erwin Schulhoff mit etlichen burlesk-sarkastischen Kapriolen. Unterhaltsames Virtuosengeklingel in Hubert Giessens Strauss-Walzer-Adaption neben der netten Cocktail Suite von Dana Suesse standen plötzlich einer aberwitzigen pianistischen Hochgebirgsexpedition gegenüber: Janice Weber bezwang Ignaz Paderewkis gefürchtete "Variationen und Fuge" op.23 mit klugem Überblick, fesselnder Bravour und bewundernswürdiger Kondition.

Des Festivals würdiges Finale mit einem fabulösen Jonathan Powell: Der Brite schonte weder sich, sein begeistertes Publikum noch den Flügel, bot wunderbar dissonierende Walzerchen von Michael Finnissy, bezwang das faszinierende Ungetüm der Fantasie op.14 des Polen Karol Szymanowski und meißelte thematisch passend zur späten Stunde noch Alexander Mossolows herb-wilde "Turkmenische Nächte" in die Tasten. Eine rechtzeitige Kartenreservierung fürs nächste Jahr sei dringend empfohlen!

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Eliane Rodrigues - eine Brasilianerin mit Jazz im Blut. Foto: Lukas