SHZ-Kultur vom 18. August 2009

von Detlef Bielefeld

Die Entdeckerlust großer Tastenritter

Zum 23. Mal lädt Husum zu den "Raritäten der Klaviermusik" ein. Die Suche nach den verschütteten Juwelen der Klavierliteratur ist die treibende Kraft hinter allem.

Die Entdeckerlust von "Raritäten-Chef" Peter Froundjian scheint ungebrochen: Auch im 23. Jahr der nun schon fast sagenhaften "Raritäten der Klaviermusik" im Schloss vor Husum wurde man bei der spannenden Suche nach vergessener exotischer Klavierliteratur und exorbitanter Tastenritter erneut fündig - ein bis zum letzten Platz besetzter Rittersaal bewies zudem, dass die Faszination dieser hochkarätigen Expeditionen ins Reich ungehobener Pianoschätze unvermindert anhält.

Ebenso gründlich wie originell die Präsentation solcher Pretiosen durch den Portugiesen Artur Pizarro, der spätromantische Franzosen und Neoromantiker seiner iberischen Heimat im Gepäck hatte. Charles Tournemire, Florent Schmitt, Gabriel Pierné - allesamt aus dem Umfeld der großen Orgelheroen Frankreichs stammend und impressionistischer Klangmystik verpflichtet. Pizarro widmete sich diesen weitestgehend übersehenen Meistern mit gebotener dynamischer Zurückhaltung und klanglicher Wärme, arbeitete feine Details heraus, um den Hörer unvermutet mit explosionsartigen Ausbrüchen und massiven Akkordballungen zu überrumpeln - seine Pedalbehandlung wirkte allerdings manchmal erstaunlich flüchtig! Elegisch und dezent folkloristisch die Kompositionen portugiesischer Spätromantiker wie José Vianna da Motta: verträumt, zart schwebend, gelegentlich atemlos virtuos von schneidender Härte! Der sympathische Künstler ließ sich noch etliche délicieusen Dreingaben abringen!

Tags zuvor ein alter Bekannter am makellosen Steinway: Jonathan Plowright. Mit seiner erlesenen Anschlagstechnik im kompletten Dynamikbereich nahm er sich dem populären Thema geistvoller Bearbeitungen an, um bei

Ferruccio Busonis "Chopin-Variationen" ein pianistisches Feuerwerk in atemberaubender Manier und kultivierter Grandezza abzubrennen. Eine besondere Kostbarkeit Francis Poulencs "Aubade" mit der dionysischen Raffinesse eines faunisch grinsenden Komponistengenies - Pianobrillanz in Vollendung!