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SHZ-Verlag vom 19. August 2008
von Detlef Bielefeld
Brillant-morbider Klangzauber
Viel Applaus für die ersten Konzerte der Reihe "Raritäten der Klaviermusik"
Husum. Einen Auftakt nach Maß erlebten die Freunde anspruchsvollster Klaviermusik beim Eröffnungskonzert der "Raritäten der Klaviermusik 2008" im Schloss vor Husum: Peter Froundjian, Gründer und "spiritus rector" dieses singulären Piano-Festivals, griff persönlich in die Tasten des prächtigen Steinways und imaginierte den brillant-morbiden Klangzauber des bürgerlichen „fin de siècles“. Alexander von Zemlinskys filigrane Fantasien über Gedichte Richard Dehmels (1900) sieht Froundjian als verhangen-grüblerische Stimmungsbilder in letaler Nähe, Erich Korngolds vertrackte 2.Klaviersonate (1911) als düster-effektvolles Memento in der Zerfallsepoche des tonalen Denkens. Vertreter einer heute fast vergessenen Virtuosenepoche war Ignaz Friedman, gefeierter Pianist und gleichzeitiger Schöpfer raffinierter Klavierliteratur. Peter Froundjian servierte die Friedmann’sche Adaption verstörend-morbider Walzerseligkeit (nach J.Strauß) mit galliger Süße und irreführender Rasanz als wehmütiges "Adieu" einer großer Ära atemberaubender Klaviermusik!
Fast nahtlos knüpfte der Franzose Denis Pascal im 2.Recital an diese Gedanken an; mit C. Ph. E. Bachs schmerzvollem Abschied vom apart-klingenden Clavicord erlebte man das berührende Encore des Zeitalters der Empfindsamkeit: sodann Gabriel Faurés elegische Nocturnes mit reizvolle Strukturierungen über dichten Klangschichtungen und wuchtigen Bassfiguren; endlich sechs Klavierstücke (1916) von Joseph Marx als zeittypisches Kaleidoskop diverser Stilmittel zwischen aparter Burleske, schlichter Wehmut und wirbelnden Kapriolen. Grüblerischer Minimalismus dagegen bei Franz Liszt: der legendäre Klavier-Titan sah sich im Alter als Asket – Pascal meißelte die knappen Oktavgänge und Akkordballungen in die durchsichtig-schlichten Generalstrukturen des spröden Abgesangs eines ehemals beliebten Genres. Pianistische Brillanz plus ungarische Edelfolklore in Zoltan Kodálys "Marosszéker Tänzen" zum Beschluss: Pascal widerstand der Versuchung eines blendenden Finales, verzichtete folglich auf ungestüme Bravour zugunsten überlegen-kontrollierter Expressivität. Vier Dreingaben forderte das begeisterte Auditorium!
(Nordfriesland Tageblatt, Husumer Nachrichten, Flensburger Tageblatt, Landeszeitung usw.)
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