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SHZ-Verlag vom 27. August 2007
von Christoph Kalies
Australier mit Meisterhänden: Liszts Bearbeitungen gekonnt dargeboten
Er ist wohl der König der “Klavier-Raritäten” 2007: Der Australier Piers Lane sorgte am letzten Abend des Husumer Klavierfestivals mit Technik und Interpretationskunst für höchste Begeisterung.
Der rote Faden in seinem anspruchsvollen Programm waren Bearbeitungen – und zwar vor allem von Franz Liszt: Zu Anfang Bachs mächtige Orgelpassacaglia in
C-Moll (BWV 582), bei der Lane gekonnt Manual- und Registerwechsel auf dem Flügel imitierte, das Stimmengewebe durch geschickte Hervorhebungen strukturierte und mit mächtigen Bässen grundierte. Eine weitere Bearbeitung Liszts war das Allegretto der 7. Sinfonie Beethovens, mit trocken getupfter Begleitfigur und einer fast zu sachlich servierten Melodielinie. Doch im Kontrast zu den Variationen, die Robert Schumann in seinen “Exercises” aus dem Thema machte, erwies sich die Zurückhaltung bei Liszt als dramaturgisch pfiffig. Denn hier brach sich prickelnd und überschäumend Virtuosität Bahn.
Die wurde übertroffen im 2. Satz “Quasi Faust” von Charles-Valentin Alkans Grande Sonate op.33 “Les QuatreAges” aus dem Jahr 18 47. Ein frappierender Parfource-Ritt auf dem Piano, bei dem Piers Lane volles Risiko spielte – und gewann.
Nach kurzer Erholung mit Giovanni Sgambatis elegischer, in zarte Arpeggien gehüllter “Melodie” nach Christoph Willibald Gluck geriet Liszts Bearbeitung von Hector Berlioz’ Sinfonie “Harold in Italien” zum Höhepunkt des Abends. Hier agierte König Lane nach dem Prinzip “teile und herrsche”: Den Part der Solo-Viola hatte Liszt unverändert in seine Klavier-Partitur übernommen. Der kurzfristig für den an der Hand verletzten Berliner Hartmut Rohde eingesprungene Engländer Philip Dukes spielte die Bratsche und erwies sich als idealer Partner. Nicht nur, dass die beiden hervorragenden Musiker so manche Facette gekonnt imitierten – in der kammermusikalischen Konzentration wurden auch die kompositorischen Kniffe Berlioz’ präsent. ’Drum huldigte dann das Husumer Raritätenvolk seinem König mit stehenden Ovationen.
Doch sollen die beiden Interpreten der Vortage nicht verblassen: Der Deutsche Kolja Lessing hatte mit dem finsteren “Epitaffo per Alban Berg” von Wladimir Vogel und mit der hochvirtuosen Sonate Nr. 3, dem “Konzert ohne Orchester” Robert Schumanns beeindruckt. Der Ukrainer Evgeny Soifertis stellte Klaviermusik osteuropäischer Provenienz von Michail Glinka, Sergej Tanejew und Mieczyslas Weinberg vor.
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