SHZ-Verlag vom 24. August 2007

von Detlef Bielefeld

Krähenchor und Entengeschnatter mit Noblesse

Drei Pianisten in der Stormstadt: Im Schloss vor Husum setzten sie exzentrische Stücke in Szene

Krähenchor und Entengeschnatter in Kombination mit exquisitem Klavierspiel: der typische Sound der "Klavierraritäten" im Schloss vor Husum! In diesem sympathisch-inspirierenden Umfeld setzten drei höchst unterschiedliche Musikerpersönlichkeiten das Festival der "unerhörten" Klaviermusik mit einer Reihe erstaunlicher Ausgrabungen auf höchstem Niveau fort.

Mark Bebbington, intellektuell-introvertierter "Novize" bei den Husumer Raritäten, nahm sich mit Noblesse der „Neapolitanischen Rhapsodie" des Italieners Castelnuova-Tedescos an und gab der Suite Leichtigkeit und wirbelndes Feuer. Massiver sein Zugang zu Elgars komplexer Symphonie Nr.1: die mit Höchstschwierigkeiten gespickte Klaviertranskription Karg-Elerts nutzte der britische Virtuose zu Strukturierung, Klangballungen und Dramatik.

Tags darauf das Recital des jungen Japaners Hiroaki Takenouchi: seine Affinität zu Klassik und Hochromantik scheint weniger ausgeprägt zu sein als die Liebe zur Expressivität der beginnenden Moderne. Die 2. Klaviersonate des früh verstorbenen Alexej Stantschinskys erfuhr durch ihn eine eindrucksvolle Interpretation, während die "Enigma Variationen" Elgars sich auf die wirkungsvollen Effekte viktorianischen Pomps stützten.

Grandios der Auftritt des Briten Jonathan Powell – kraftvoller Anschlag, blendende Technik und gestalterischer Übersicht mit Blick in impressionistische Klangwelten finnischer Provenienz. Mit Kompositionen von Skrjabin, Goldenweiser und Blumenfeld dem Goldenen Zeitalter russischen Virtuosentums erwies er treffliche Reverenz, um bei der Strauss’schen "Salome" einen orgiastischen Piano-Rausch in der Lesart des Exzentrikers Shapuji Sorabji zu entfesseln. Atemberaubend!