SHZ-Verlag vom 15. August 2007

von Christoph Kallies

Von der Jagd nach seltenen Klaviernoten

(Nordfriesland Tageblatt, Husumer Nachrichten, Flensburger Tageblatt, Landeszeitung usw.)

Am Freitag, 17. August, beginnt im Schloss vor Husum die 21. Ausgabe der „Raritäten der Klaviermusik“. Auch nach zwanzig Jahren hat der künstlerische Leiter Peter Froundjian für seine Gäste wieder ein Füllhorn unbekannter Perlen der Pianoforte-Kunst bereit gestellt. Mit Christoph Kalies sprach Froundijan über die Jagd nach seltenen Noten und über das aktuelle Programm seines einmaligen Festivals.

Herr Froundjian, gehen Ihnen die verschollenen musikalischen Schätze niemals aus?
Froundjian: Nein. Zum Glück nicht. Das Programm entsteht in Zusammenarbeit mit den Pianisten, die ich einlade. Die haben viele eigene Vorschläge. Meine Aufgabe als künstlerischer Leiter ist es, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Manchmal fehlt mir da etwas, dann mache ich Vorschläge.

Diesmal sind Komponisten wie Hanns Eisler, Mario Castelnouvo-Tedesco oder Charles Ives zu hören. Hat sich der Schwerpunkt der Raritäten von der Spätromantik zur Moderne verlagert?
Nein. Mir kommt es nicht auf das Herausstreichen einer Epoche an, sondern darauf, dass alles variiert und vielseitig ist – sowohl was die einzelnen Abende als auch was das Gesamtprogramm angeht. Vieles ist schlicht Zufall. Das Werk von Castelnuovo-Tedesco war ein Vorschlag des Pianisten Mark Bebbington. Die Klavierstücke op. 3 von Eisler waren meine Idee.

Was reizt Sie daran?
Das ist atonale Musik, aber ganz anders als bei Eislers Lehrer Arnold Schönberg. Da sind sehr helle Momente drin. Man spielt immer Schönberg; aber nie Eisler. Ich finde, seine Klavierstücke sollten bekannter werden.

Auf der einen Seite ein Schönberg-Schüler, auf der anderen Marianne von Auenbrugger; eine Zeitgenossin Mozarts, die selbst komponierte. War das damals nicht höchst ungewöhnlich?
Schon. Aber die Auenbrugger war eine Dame des gehobenen Bürgertums, bei der Haydn und Mozart ein- und ausgingen. Sie konnte es sich wohl leisten, zu komponieren. Ich muss allerdings gestehen: Ich kenne die Musik selbst noch nicht. Es war der Vorschlag des Pianisten Hiroaki Takenouchi – übrigens ein Japaner.
Die 21. Raritäten beginnen mit einem Sonderkonzert populärer Klaviermusik aus den 1920er und 1930er Jahren. Ich selbst kenne keines dieser Werke. Was erwartet die Zuhörer da? Das sind alles Stücke, die der Pianist Alex Hassan gesammelt hat. Er wird sie auch vortragen und den Abend moderieren. Das ist kein Jazz, sondern auskomponierte Musik aus verschiedenen Ländern. Aber es swingt, und manches geht ein wenig in Richtung Ragtime. Es wird sicher sehr unterhaltsam.