Kieler Nachrichten vom 2. Juni 2007

von Dr. Michael Struck

Klavierraritäten in Husum

Die Warnung "Stillstand ist Rückschritt" wäre das letzte, was man der international erfolgreichen Konzertreihe Raritäten der Klaviermusik im Schloss vor Husum zurufen müsste: Beim 20. Festival im August 2006 war wieder zu bestaunen, was Festival-Intendant Peter Froundjian und die Stiftung Nordfriesland etablierten. Und schon verheißt das Programm 2007 vom 17.–25. August neue Begegnungen, wobei das "neu" die unbekannten Werke und die eingeladenen Pianisten betrifft: Mehr als die Hälfte (inklusive Alex Hassan im Vorab-Sonder-konzert mit populärer Klaviermusik der 1920er und 30er Jahre am 17. August) sind Husum-Neulinge.

Interessenten sollten sich sputen - etwa, um François-Joël Thiolliers in Original und Bearbeitung bunt gemixtes Debutprogramm nicht zu verpassen. Oder die famose Ekaterina Derzhavina, die Piatti mit Eisler sowie Bach mit Stantschinksky koppelt. Auf Marc Bebbingtons Programm stehen Namen, die bei uns bestenfalls Insider kennen, sowie die 1. Symphonie von Englands Jubilar Edward Elgar in Sigfrid Karg-Elerts Klavierfassung. Hiroaki Takenouchi setzt die Elgar-Fete mit der originalen Klavierversion der Enigma-Variationen fort. Kolja Lessing bringt neben Apartem von Spohr, Jabukenas oder Vogel auch Schumanns wuchtig-pathetische f-Moll-Sonate, während Husum-Debütant Evgeny Soifertis Rares von Unbekannten (van Delden, Arnold, Wainberg) verheißt.

Im Schlusskonzert gibt es eine kleine Husumer Revolution: Piers Lanes Programm endet mit Berlioz’ Symphonie "Harold in Italien" in Liszts Klavierbearbeitung, die die originale Bratschen-Solopartie beibehält. Da wird Hartmut Rohde, einer der führenden deutschen Bratschisten, auf vier Violasaiten mit den 88 Steinwaytasten konkurrieren. ms

Programm im Internet (www.piano-festival-husum.de) und bei der Stiftung Nordfriesland
( Tel.: 04841/89730). Karten: Buchhandlung C.F. Delff (Tel.: 04841/2163).