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SHZ-Verlag vom 22. August 2006
von Detlef Bielefeld (Nordfriesland Tageblatt, Husumer Nachrichten, Flensburger Tageblatt, Landeszeitung usw.)
Emotionaler Ohrenbalsam
Künstler begeistern mit technischer Brillanz und gewagtem Programm
Husum - Ihr 20-jähriges Jubiläum feiern in diesem Jahr Husums „Raritäten der Klaviermusik“, das wohl ambitionierteste und ungewöhnlichste Musikfestival Deutschlands. Seit zwei Jahrzehnten bietet Festivalintendant Peter Froundjian pianophilen Musikfans aus aller Welt einen erlesenen Programm-Mix aus fast Vergessenem der Klavierliteratur in jeweils bestmöglicher Interpretation – im Jubiläumsjahr scheint die Husumer Entdeckerfreude noch ausgeprägter als üblich auszufallen.
Vor ausverkauftem Haus setzte der kanadische Ausnahmepianist Marc-André Hamelin mit seiner anspruchsvollen Programmzusammenstellung Maßstäbe mit Ausrufezeichen! Charles Ives’ umstritten-klobige 2. Klaviersonate „Concord“ und die gefürchtete „Rudepoêma“ von Heitor Villa-Lobos an einem Abend in wahrhaft exemplarischer Manier hören zu dürfen, mag als Indiz für den außergewöhnlichen Qualitätsstandard des Festivals dienen; was Hamelin in punkto gestalterischer Übersicht, technischer Brillanz und Kraftentfaltung den atemlos lauschenden Musikfreunden am perfekt präparierten Steinway zu bieten hatte, verschlug schier den Atem und provozierte spontanen Jubel – anspruchsvollste Werke von Frank Bridge und Pantscho Vladigerov mutierten in diesem Extremumfeld fast zu emotionalem Ohrenbalsam.
Tags zuvor das opulente Jubiläumskonzert mit gleich vier Pianisten der Spitzenklasse: so entzückte der asketisch wirkende Grandseigneur Hamish Milne bei energischem Zugriff, perlender Bravour und sorgsamen Pedaleinsatz u.a. mit einem bravourösem „Rondo brillante“ von C.M.v.Weber, den vertrackt-eleganten „Märchen op. 51“ von Nicolai Medtner und einem pianistischen Feuerwerk in Moritz Moszkowski’s „Caprice espagnol“. Das sympathische Duo Tal & Groethuysen drosselte dann die Emotionen, verzauberte mit Jean Francaix’ „15 portrais enfants“, um abschließend mit Samuel Barbers „Souvenirs op.28“ ein orchestrales Klaviergewitter loszutreten. Finale Jazzanleihen nach dezentem Mozart zu Beginn: programmatisch wie pianistisch große Klasse! Südamerikanischer Charme und Temperament kam mit Gabriela Montero ins Spiel: Improvisationen über Motive aus Klassik und Folk in klassischer Durchformung, unbändiger Fabulierlust mit diversen Ausflügen in lateinamerikanische Musiklandschaften: donnernder Applaus für diese unvermutete Facette ungewöhnlichster Klaviermusik!
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