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Interview mit Ekaterina Dershavina
(Pianistin am Klavierabend 24.8.2005)
(RUCH MUZYCZNY Nr.20)
Frage: Wie bekommt man Zugang zum Kreis der Pianisten für seltenen Musik?
Es gibt zwei Wege: den wirtschaftlichen und den ideellen.
Den ersteren wählen Leute, die merken, dass der Markt übersättigt ist. Sie versuchen die Aufmerksamkeit der Produzenten zu gewinnen, indem sie ein neues, selten gespieltes Werk oder besser eines, das überhaupt noch nie aufgenommen wurde, anbieten. Der zweite Weg, der sich glücklicherweise mit dem ersten berührt, hat seinen Ursprung in der Neugier des Künstlers, seinem Entdeckertrieb und der Sehnsucht, Vergessenes aufzuspüren und es durch die eigene Interpretation wiederzubeleben.
Wenn auch hier und da die Gefahr einer Überbewertung der Neuentdeckungen besteht, so macht es doch Spaß, sich mit dem Schwung und dem Charme des Neuen hinzugeben. Und ab und zu ist auch einmal eine große Entdeckung dabei!
Frage: Gibt es unter den vergessenen Komponisten auch welche, die Sie besonders mögen?
Im Moment liebe ich besonders die Musik von Alexej Stantschinsky, die leider auch in Russland in Vergessenheit geraten ist. Er war ein genialer Komponist, der seiner Zeit weit voraus war.
Ich bin überzeugt, dass sich die russische Musik anders entwickelt hätte, wenn er nicht zu früh – er war 25 Jahre alt, und die Umstände seines Todes sind nicht geklärt – gestorben wäre.
Die andere Liebe gehört Giovanni Benedetto Platti, einem italienischen Komponisten, der ein wenig Jünger als Bach war und am Hof von Würzburg gewirkt hat. Seine Cembalosonaten sind von unvergleichlicher Schönheit.
Frage: Wie viel von der klassischen Musik sollte man kennen, um die tatsächliche Größe der bekannten Komponisten wie Haydn, Mozart und Beethoven schätzen zu können?
Je mehr, desto besser. Eigentlich wird nur einer der von Ihnen genannten Komponisten, nämlich Haydn, nicht angemessen gewürdigt. Seine zahlreichen Klavierwerke werden selten gespielt und die stereotypen Vorurteile werden durch die den Einfallsreichtum und die Frische seiner Werke nicht bestätigt.
Frage: Welche unbekannten Meisterwerke gibt es noch in der russischen Musik?
Ich glaube, recht viele! Stantschinsky habe ich schon erwähnt. Der Beginn des 20. Jahrhunderts war eine interessante Zeit in der Geschichte der russischen Kunst. Aus den allgemein bekannten politischen Umständen, die damals Russland erschüttert haben, bleibt sie bis heute im Schatten. Aber die Zeiten haben sich geändert, und ich hoffe, dass die Manuskripte nicht verbrennen…
Ich bin überzeugt, dass neue Entdeckungen auf uns warten. Zur Zeit wünsche ich mir, dass das westliche Publikum den wunderbaren russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts Oleg EIGES (1905-1992) kennen lernt, der großes Talent, aber kein leichtes Leben hatte.
(Kacper Miklaszewski)
(Deutsch: Ewa Tahbazian/Ludwig Madlener)
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