Klavier-Kraftakt

shz-Kulturseite (Flensburger Tageblatt, Husumer Nachrichten und alle weiteren shz-Ausgaben) vom 19. August 2003
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Marie-Cathérine Girod ist in Husum schon eine alte Bekannte. Mehrmals ist die preisgekrönte Französin bereits bei den "Raritäten der Klaviermusik" aufgetreten. Dieses Mal kam sie fast ausschließlich in Begleitung ihrer Landsmänner: Werke von Pierre de Bréville, Gabriel Fauré, Henri Duparc, Georges Bizet, Francis Poulenc, Florent Schmitt, Louis Aubert und vom belgischen Nachbarn Robert Herberigs standen auf dem Programm. Darunter waren Raritäten wie der vergessene Komponist Louis Aubert (1877-1968), den Girod selbst ins Rampenlicht zurückgeholt hatte: 1990 hatte sie sein Klavierwerk "Sillages" als CD eingespielt. Eine komplexe Klangmalerei, deren sanftes Meereswogen sich zum stürmischen Klimax steigert, ein virtuoses Werk, dem Girods ausladender Stil entgegenkommt.

Für die meisten anderen Stücke war ihr äußerst harter Anschlag dagegen einfach zu viel. Auch, wenn sich Poulencs "Nocturnes" (zwischen 1929 und 1960) nicht verträumt und geheimnisvoll, sondern eher tänzerisch und lebendig geben - bei Girods harscher Interpretation war von dieser Leichtigkeit gar nichts zu spüren, bei ihr stand jeder Ton stramm. Das verdrängte auch sehnsüchtige Klänge aus Heberigs impressionistischem "A la Fontaine Bellerie" (1923). Was blieb, war markante Rhythmik, aber keine Klangvielfalt.

Das Publikum forderte dennoch drei Zugaben - und hier zeigte Girod, dass es auch anders geht: etwa mit zwei mal spritzig-originell, mal verträumt intonierten Fauré-Werken.