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Fiesta für "Latin-Piano-Lovers"
Zwei großzügige Raritäten-Abende mit Klavierwerken aus Südamerika
shz-Kulturseite (Flensburger Tageblatt, Husumer Nachrichten und alle weiteren Unterausgaben) vom 21. August 2003
Spanien und Südamerika bildeten 2002 den Länderschwerpunkt des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Bei den 17. Raritäten der Klaviermusik im Schloss vor Husum wurde jetzt klar, dass man damals Wichtiges vergessen hat: Tastenkunst aus Südamerika. Bei eineinhalb berauschenden Konzertabenden wurden die vielfältigen und originären Facetten dieser jungen Tradition deutlich - vom schlichten Salonstück auf der Basis indianischer Themen über die kecke Verarbeitung von Tänzen und afroamerikanischen Rhythmen bis zu halsbrecherischen Virtuosenstücken.
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Im Programm des zypriotisch-französichen Pianisten Cyprien Katsaris waren nur die Namen Alberto Ginastera, Heitor Villa-Lobos und Astor Piazzolla geläufig. Der umfangreiche Rest war eine Kette bisher unentdeckter schönster Perlen der Klaviermusik, wie sie dieses Festival nicht besser schmücken könnten. Allen voran die vier Stücke Ernesto Nazareths (1863-1934), der den Beinamen "Brasiliens Chopin" hörbar verdient, die schwelgerische Danza Nr. 3 aus den "Topicales" des Mexikaners Ernesto Elorduys oder das melancholische "Intermezzo und Balada Mexicana" seines Landsmanns Manuel M. Ponce. Dass sich ins Raritätenprogramm bekannte Themen mischten, lag an Gerardo Matos Rodriguez' Tango aller Tangos "La Cumparsita" und den "6 Aires Populaires" von Rubén M. Campos - mit der "La Paloma"-Melodie.
Cyprien Katsaris erwies sich als großartiger Interpret mit höchster Anschlagskultur, der warme Klänge und melancholische Noblesse ebenso aus dem Flügel zauberte wie atemberaubende Virtuosität. Die bewies er zuletzt bei einer der drei Zugaben dem jubelnden Publikum mit seiner eigenen kraftstrotzenden Bearbeitung von Bachs Toccata und Fuge in d-Moll, die wohl selbst einen Franz Liszt zum Staunen gebracht hätte. Gigantisch!
Arturo Sudbrack Jamardo schien hier am nächsten Abend anknüpfen zu wollen: Der Brasilianer eröffnete sein Konzert mit Feruccio BusonisBearbeitung von Bachs Orgel-Toccata in C-Dur. Doch Jamardos Zugriff darauf wirkte fahrig und war mit vielen kleinen Fehlern belastet. Selbst wenn man zugestehen muss, dass die Toccata eine freie Form ist, schienen Jamardos Tempi und Pausen allzu oft dem Schwierigkeitsgrad einzelner Passagen geschuldet. Auch die Sonate op.5 des 16-jährigen Richard Strauss lag dem Pianisten nicht. Im ersten Teil konnte er allein mit Franz Liszts ruhig, versponnenen "Harmonies poétiques et religieuses" überzeugen.
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Dafür erlebte das Publikum nach der Pause einen völlig anderen Arturo Sudbrack Jamardo: Der war nach Hause gekommen und spielte wie entfesselt die archaisch-brutale "Dansa de Negros" seines Landsmanns Fructuoso Vianna mit ihren wilden Bassrhythmen, schuf in Alberto Ginasteras "Suite de Danzas Criollas" poetisch-impressionistische Momente und verband das alles in drei Stücken aus Heitor Villa-Lobos' "Ciclo Brasiliero" zu einem fesselnden Höhepunkt. So hatte das Publikum am Ende auch bei Jamardo Grund zum Jubeln.
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