Seit 1987 bieten die "Raritäten der Klaviermusik" selten Gehörtes für Pianofans

"Oberseminarprogramme gibt es hier nicht"

Flensburger Tageblatt und Unterausgaben (Husumer Nachrichten u. a.) vom 11. April 2002 - Rüdiger Otto von Brocken interviewt Peter Froundjian

Alessandra Maria Ammara und Katherine Chi, die Preisträgerinnen des renommierten kanadischen "Esther Honens' International Piano Competition" beginnen morgen eine Konzerttournee durch Schleswig-Holstein. Auch hier gibt es ein international anerkanntes Pianofestival. Bei den "Raritäten der Klaviermusik" im Schloss vor Husum geht es aber weniger um Talentförderung,
als um die Neuentdeckung verschollener Werke und damit um die Erweiterung des Repertoires. Rüdiger Otto von Brocken sprach mit dem künstlerischen Leiter der "Raritäten" über sein Festival.

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Präsentiert ein spannendes Programm Raritäten-Chef Peter Froundijan. Foto: kai

Warum ein Klavier-Festival in der Provinz? Hat Husum mehr zu bieten als andere Städte?
Peter Froundjian: Dazu müsste man wissen, was in anderen Städten läuft. Doch allgemein betrachtet steht Husum im Vergleich zu anderen Städten seiner Größenordnung recht gut da, denke ich.

Haben wir die Klavier-Raritäten also nur dem Umstand zu verdanken, dass Sie Pianist sind und zufällig hier in Husum arbeiten?!
Peter Froundjian (lächelt): Ja.

Dann danke ich für das Gespräch...
Peter Froundjian: ... naja, ein paar Faktoren kommen schon zusammen. Den Gedanken an ein solches Festival habe ich lange mit mir herumgetragen. Hier in Husum fand ich einen Kulturausschuss, der mir vertraut und mich nach Kräften unterstützt. Und so ist das halt immer weiter gegangen. Das, was hier gezeigt wird, gibt es nirgendwo anders. Es bietet für jeden etwas Sensationelles. Das zeigen nicht zuletzt die Reaktionen der internationalen Kritik.

Dabei ist das Konzept doch denkbar einfach?
Peter Froundjian: - ja, der Ausgangsgedanke war, dass gerade bei der Klaviermusik immer nur bestimmte Werke gespielt werden - also zum Beispiel Beethovens letzte Sonate 111 oder die Goldberg-Variationen. Das wollte ich ebenso urchbrechen wie die Vorherrschaft der österreichisch-deutschen Komponisten. Nehmen sie mal Franz Liszt. Den zu spielen, war noch in den 70ern ein Wagnis. Der galt als halbseiden.

Wie kommen Sie an diese etwas anderen Kompositionen?
Peter Foundjian: Ich bin regelmäßig in der Berliner Staatsbibliothek zu Gast. Aber auch aus anderen Quellen und durch meine Arbeit habe ich mich umfassend informiert. Ich kann das also so ein bisschen beurteilen...

Das sollte auch nicht in Abrede gestellt werden!
Peter Froundjian: ... außerdem gehe ich oft ins Konzert und lasse mich inspirieren...

Für wieviele Raritäten reicht das Repertoire denn noch?
Peter Froundjian: Ich stoße immer wieder auf neue Dinge.

Sprechen wir mal über das Instrument: Wieso ist gerade Klaviermusik so erfolgreich?
Peter Froundjian: Das liegt daran, dass das Klavier ein sehr umfassendes Instrument ist. Außerdem verfügt es im Vergleich zur Geige oder Oboe über einen neutralen Klang. Es kann Klänge hervorbringen, die wie die einer Pauke oder auch die eines Orchesters sind. Ein weiterer Grund liegt in seiner spezifischen Brillanz. Und dann ist da die umfassende Literatur, die zu den höchsten Errungenschaften unserer Kultur zählt.

Und wie erklärt sich der Erfolg beim Publikum?
Peter Froundjian: Der liegt auch darin begründet, dass es uns keine Schwellenängste gibt. Das zeigt auch die große Zahl unserer Abonnenten...

... die ja teilweise von weit herkommen...
Peter Froundjian: ja, das stimmt. Was einmal mehr zeigt, dass Kultur auch ein Wirtschaftsfaktor ist. Manche Besucher verbinden die Konzertreihe mit einem Kurzurlaub. Ich glaube, ein wichtiger Gesichtspunkt für den Erfolg des Festivals liegt darin, dass ich weiß, was das Publikum verträgt. Oberseminarprogramme wird es hier nicht geben. Hier sollen Sie auch als ungeübter Musiker ihren Spaß haben, Es gibt viele Festivals, doch die meisten bieten ein Sammelsurium von Stücken. Meines sollte sich von dem abheben, was es sonst noch gibt, ein Konzentrat sein, aber eben auch keine Überforderung.