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16. Festival "Raritäten der Klaviermusik" in Husum (16. bis 24. August 2002)
von Stefan P. L. Romansky
PianoNews Heft 3 Mai - Juni 2002
Unmittelbar vor Redaktionsschluss trifft das wiederum überaus spannende Programmheft ein. Diesmal stehen statt acht gleich neun Klavierabende auf dem Programm, sozusagen als "Vorpremiere" spielt am 16.8. der erste Preisträger des Utrechter Liszt-Wettbewerbs: der Franzose Jean Dubé.
Den Eröffnungsabend gestaltet Steven Osborne, zu Beginn mit Teil IV der Esquisses op. 63 von Alkan, darunter die Charakterstücke "Héraclite et Démocrite", "Les Diablotins" und "Le premier billet doux", zum Ausklang Rachmaninows 13 Preludien, op. 32. Dazwischen Medtners Märchen, op. 20, fünf Preludes von Kapustin, Osbornes eigene Bearbeitung von Oscar Petersons "Indiana" und ein Werk von Crumb.
Am 18.8. begrüsst Husum erstmals den hierzulande noch viel zu wenig bekannten jungen Künstler Konstantin Lifschitz mit Werken von Frescobaldi, Martinu, Skrjabins Etüden op. 8 und Medtners Sonate-Ballade op. 27.
Alle zwei Jahre wieder Marc-André Hamelin, diesmal mit seinem jüngsten CD-Erfolg, Godowskys hypertropher Sonate, und der schon für 2000 versprochenen 2. Sonate von Szymanowski. Da bleibt gewiss noch Platz für ein "Kaleidoskop" an Zugaben.
Glücklich darf sich Husum schätzen, dass sich Enrico Pace nach seinem überzeugenden Debüt 2001 wieder die Ehre gibt. Nunmehr hat er Glasunows 2. Sonate, Medtners g-Moll-Sonate, op. 22, Prokofjews "10 kleine Klavierstücke" op. 12 und eine Agosti-Transkription aus Strawinskys "Feuervogel" auf dem Programm.
Ein freudiges Wiedersehen steht auch mit den beiden nachgenannten Künstlern zu erwarten: Nicholas Walker bringt zur Einleitung Klavierstunden-Erinnerungen von Kuhlau (Sonate op. 30), Richard Strauss' Stimmungsbilder, op. 9 schliessen sich an. Die Pause wird umrahmt von Stücken dreier Komponisten aus Walkers näherer Heimatumgebung: Rhapsody (1915) von John Ireland, Stücke von Timothy Bowers *1954 und von dem 1922 blutjung verstorbenen William Baines. Den Abend beschließt Hochvirtuoses von Mili Balakirew.
Am 22.8. stellt Allround-Künstler Kolja Lessing ("Piano ergo Husum!") besonders rares Repertoire zur Diskussion. Auf zwei Stücke von Franz Xaver Mozart folgen zwei von Ignaz Strasfogel transkribierte Opernszenen von Franz Schreker, als Kontrapunkt dazu der Foxtrott "Irrelohe" von Felix Petyrek, dann drei Werke von Berthold Goldschmidt, Philipp Jarnach und Zoltan Székely, die vier letztgenannten Komponisten sind entweder 1892 oder 1903 geboren. Nach drei kürzeren Szymanowski-Werken beschließt Lessing mit Karol Rathaus' Sonate op. 2 (1920) das ausgedruckte Programm.
Husums spiritus rector Peter Froundjian bezieht bewusst die "grossen Alten" ein, hier am 23.8. den ungarischen Bartók-Schüler György Sandor (wenn die Quellen nicht täuschen: geboren 21.09.1912), auch als Autor eigener Transkriptionen: J. S. Bachs "St. Anne" Präludium und Fuge BWV 552 und Bartóks "Liedern und Tänzen" aus den 44 Violin-Duos. Festival-Höhepunkte versprechen Bartóks eigene Klavierfassung des Intermezzos aus seinem "Konzert für Orchester" und der gesamten Tanz-Suite (1923); letztere hat Sandor 1945 in der Carnegie Hall in Anwesenheit des Komponisten uraufgeführt. Hinzu kommen eine kleine Dosis Prokofjew und einiges von Zoltan Kodály, darunter die Klavierversion der "Marosszéker Tänze" von 1927.
Das Festival klingt aus gleich mit zwei Pianisten, Yaara Tal und Andreas Groethuysen, die eingangs in ihrer Ursprungsbesetzung Czernys vierhändige "Grande Sonate" op. 178 bringen. Alsdann verteilen sie sich auf zwei Klaviere mit Gouvys Sonate op. 66, Godowskys kontrapunktischer Paraphrase über Webers "Aufforderung zum Tanz" und Ignaz Friedmans Suite E-Dur op. 70, ein besonders anspruchs-, aber auch schwungvolles Programm.
Vorläufiges Fazit der Programmgestaltung: diesmal betont viel Osteuropäisches, aber mit vielen Farbtupfern.
Die Matinee am Sonntagvormittag, 18.8., "immer wieder ein wenig anders" (Originalton Vorschauheft), gestaltet der renommierte britische Musikkritiker Jeremy Nicholas zum Thema "Recorded Rarities" mit vielen Klangbeispielen. Nicholas ist Autor der lesenswerten Godowsky-Biographie "The Pianists' Pianist" und schreibt für viele renommierte Fachmagazine.
Kartenwünsche an die Buchhandung Delff, Krämerstrasse 8, 25813 Husum, Telefon 04841-2163, Fax 04841-81686, Mail: buecher@delff.de. Husum wird auf jeden Fall die Reise wieder wert sein!
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