Hochkarätiger Piano-Abend ohne "Frack und Fummel"

Ausverkauftes Eröffnungskonzert der Klavier-Raritäten im Schloss

Husumer Nachrichten und andere shz-Ausgaben in Nordfriesland vom 19. August 2002

Ein tiefrotes Transparent am Anfang der Ferdinand-Tönnies-Allee heißt die Besucher der 16. Raritäten-Reihe im Schloss vor Husum ,Herzlich Willkommen‘. Der Pianist Steven Osborne, 1971 in Schottland geboren, gestaltet das erste von acht Klavierkonzerten der Reihe mit unbekannten oder wenig gespielten Kompositionen. Bei 26 Grad Außentemperatur ist leichte Sommerkleidung angesagt. Auch der Pianist trägt statt des obligatorischen Fracks oder Smokings zur schwarzen Hose ein gleichfarbiges Hemd.
In seiner Begrüßung vor dem Konzert spricht Landrat Dr. Olaf Bastian die Freunde der von der Sparkasse Nordfriesland gesponserten Raritäten-Reihe als "liebe große Familie" an. Alle 200 Plätze sind besetzt, einschließlich der im benachbarten Grünen Saal. Karten waren entgegen der Ankündigung des Veranstalters Stiftung Nordfriesland an der Abendkasse nicht mehr zu erhalten. "Das haben wir noch nicht gehabt", freut sich Walter Schmidt, von Anfang an zuständig für die Organisation des Klavierfestivals, über dieses Novum.

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Eröffnung durch Landrat Dr. Olaf Bastian (Foto: kai - shz)

Im Rittersaal bleiben einige Fenster geöffnet. "Notwehr gegen das Wetter" nennt "Schlossherr" Dr. Konrad Grunsky diese Maßnahme. Um störende Geräusche auszuschalten, ist der Schlosshof für Autos gesperrt, die Glocke der Turmuhr abgestellt. Doch nach Einbruch der Dunkelheit mischt sich in manche Pianoklänge des Steinway-Flügels das heisere Krächzen der Rabenvögel und das aufgeregte Quaken der Enten aus dem benachbarten Schlossgarten.

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Fundgrube für Klassikfreunde: CD-Verkauf (Foto: kai - shz)

Wurde das erste Konzert im August 1987 noch als Wagnis angesehen, so haben die Klavierraritäten, wie der Landrat nicht ohne Stolz feststellt, "durch ihr hohes künstlerisches Niveau nationale wie auch internationale Beachtung gefunden" Neben der Grundidee, verborgene und wenig gehörte Schätze aus der Klavierliteratur zu heben, tragen vor allem die Atmosphäre des Schlosses und die Begleitumstände zu ihrem hohen Ansehen bei. "Durch den räumlich begrenzten Rahmen bildet ein fachkundiges Publikum mit den Künstlern eine Symbiose", beschreibt es Bastian. Aufzeichnungen des Deutschlandfunks am Dienstag und Mittwoch wie auch die Mitschnitte der Kopenhagener Firma Danacord für eine CD sorgen über diesen Rahmen hinaus für Husum-Werbung.

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Der Pianist aus Schottland kommt beim Publikum an. Steven Osborne gehört zu den wenigen Pianisten, die noch die Fähigkeit der Improvisation beherrschen und sie pflegen. Ungewöhnlich in einem Klassik-Konzert: Das Publikum spendet begeisterten Zwischenapplaus für die Improvisation über einen Hit des Konzertpianisten Oscar Peterson. Auch eine gute Tat gibt es am Rande des Konzertes: Mitglieder von Round Table sorgen in der Pause in einem kleinen Restaurationszelt auf dem Rasen hinter dem Schloss für Erfrischungen. Der Erlös aus dem Verkauf stellt Round Table den Opfern der Jahrhundertflut zur Verfügung.