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Anscheinend Unspielbares leicht und locker präsentiert
Die "Ritter der Klaviermusik" schreckte kein Schwierigkeitsgrad
shz-Kulturseite (Flensburger Tageblatt, Husumer Nachrichten und weitere Unterausgaben) vom 19. August 2002
Es gibt kulturelle Nischen, in denen seltene Kunstwerke erblühen. Die "Raritäten der Klaviermusik" haben im Schloss vor Husum ihr klingendes Biotop gefunden. Da gab es schon im Vorkonzert und am Eröffnungsabend unbekannte Komponistennamen zu entdecken. Stücke bekannter Meister ertönten freilich auch. Doch sie machen sich im Konzertalltag rar, weil ihr Schwierigkeitsgrad selbst das Spielvermögen guter Pianisten übersteigt. Der künstlerische Leiter der Husumer Klavierreihe, Peter Froundjian, hat jedoch Musiker ausgewählt, die schier Unspielbares mit unvorstellbarer Leichtigkeit zu nehmen verstehen.
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Steven Osborne, weltweit gefeiert (selbst seine CD-Einspielungen sind mit Preisen ausgezeichnet), gehört zu den Rittern der Klaviermusik, die kein Schwierigkeitsgrad erschreckt. Seine Ausführung der "Esquisses" des 1888 verstorbenen französischen Komponisten Charles-Valentin Alkan bewies mehr als spieltechnische Akrobatik: In dem großen Klanggemälde fing Osborne Farbnuancen auf. Wo sich im Scherzetto Virtuosität in krachendem Formel-1-Gebaren austobte, konnte sich im Finale nur noch Melodisches auf Wolke sieben anschließen. Damit niemand meinte, das Sentimentale würde siegen, bekamen die Hörer einen kakophonen Schlussakkord gleich einer Slapsticktorte ins Gehör geknallt. Bis hin zu Jazzparaphrasen hatte Osborne noch mehr im Angebot.
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Der diesjährige 1. Preisträger des Liszt-Wettbewerbs, Jean Dubé, sorgte bereits im Vorkonzert für Begeisterung. Tonbilder aus der Feder von Nielsen, Grieg und Liszt sowie von Petersen-Berger und Ciurlionis (wahrlich Unbekanntes aus Schweden und Litauen) ließen unter dem 21-jährigen Pianisten aufhorchen. Mag sein, dass seine Liszt-Tarantella zu spektakulär das Tempo übersteigerte. Dubés Gespür für Charaktere, das sich in der "Chaconne" von Nielsen zur analytischen Filigranarbeit entfaltete, ist in der Lage, kompositorische Halbwahrheiten zu demaskieren. Solche Höchstleistungen feierten die Hörer natürlich mit frenetischem Beifall.
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