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Zwei Tasten-Akrobaten und ein Klavier-Klangregisseur
Husumer Raritäten-Festival endete mit einem furiosen Auftritt des Piano-Duos Yaara Tal & Andreas Groethuysen
shz-Kulturseite (Flensburger Tageblatt, Husumer Nachrichten und weitere Unterausgaben) vom 27. August 2002
Sowas passiert wohl nur bei den "Raritäten der Klaviermusik" im Schloss vor Husum: Nach seinem umjubelten Auftritt vor zwei Jahren bekam das israelisch-deutsche Pianoduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen von einem Raritäten-Fan aus Amerika einen Stapel seltener Noten. Am letzten Abend des diesjährigen Festivals präsentierten die beiden das Geschenk als Zugabe: Die "Fünf Walzer" von Ignaz Friedman (1882-1948) spielen amüsant-ironisch mit Walzerseligkeit und loten ausgesprochen spritzig Gestaltungsmöglichkeiten im Dreivierteltakt aus.
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Auch das übrige Programm der aufs Duospiel spezialisierten Tasten-Akrobaten war ebenso kurzweilig wie beeindruckend: Friedmans Suite in E-Dur etwa, die zwischen Neoklassizismus und zartem Impressionismus changiert oder Leopold Godowskys halsbrecherische Paraphrase über Carl Maria von Webers "Aufforderung zum Tanz". Dazu die Sonate op. 66 des Franzosen Louis-Théodore Gouvy, deren erster Satz mit einem grüblerischen Adagio beginnt und dann in ein munteres Allegro mündet. Und natürlich Carl Czernys "Grande Sonate fmoll", die viel raffinierter, ist, als der Name ihres Schöpfers befürchten lässt. Zwar erinnern auch hier ein paar Läufe an den Etüden-Grossisten Czerny - aber unter den flinken vier Händen von Tal & Groethuysen bekommen sie etwas ekstatisch Brillantes. Wie überhaupt beide Musiker eine exzellente Technik, absolut sicheres Zusammenspiel, hohe klanglich-dynamische Differenzierungskunst und ansteckend explosive Spielfreude auszeichnet. Kein Wunder, dass der Rittersaal tobte.
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Am Vorabend war der Niederländer Frédéric Meinders für den erkrankten 89-jährigen Ungarn György Sandor eingesprungen. Statt dessen musikalischer Erinnerungen an Béla Bartok hatte Meinders sein eigenes Raritäten-Programm zusammengestellt - dass ihm dies in nur drei Tagen gelang, ist schon an sich beachtlich. Allerdings: Meinders ist da im Vorteil, weil er selbst komponiert und Orchestermusik fürs Klavier bearbeitet. So konnte man Schuberts "Rosamunde" oder Gounods Ballett aus der Faustoper "Margarethe" im orchestralen Klaviersound lauschen. Oder über das genial ausgeschmückte "Ain't Misbehavin' " nach Fats Waller staunen, in dessen Jazzklänge Meinders verschmitzt Motive von Bach, Paderewski und Chopin einflicht. Aber auch er hatte einige "echte" Raritäten dabei - vor allem den grandiosen "Bolero" von Chopin, den man beim Schleswig-Holstein Musik Festival trotz Spanien-Schwerpunkt bisher nicht zu hören bekam.
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