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Finale der "Raritäten der Klaviermusik"
Husumer Piano-Format: Genuss und Lernen
Kieler Nachrichten, Kultur aktuell, vom 28. August 2002
Mit den Umfragewerten können Organisator Peter Froundjian und das Team der Stiftung Nordfriesland zufrieden sein. Im Vorjahr war bei den Husumer Raritäten der Klaviermusik per Fragebogen auch nach Einzugsbereich, Hörerbindung und Urteil gefragt worden.
Neben 16 Prozent Besuchern aus Husum und Umgebung kamen, wie sich zeigte, 40 Prozent aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Sønderjylland, 37 Prozent aus dem übrigen Deutschland und sieben Prozent ausländische Besucher. So wird das Tasten-Ereignis zum Tourismus-Faktor, zumal 94 Prozent der Befragten dem Festival sehr gute bis gute Noten gaben. Husum hat kulturell also nicht nur Storm-, sondern auch Klavier-Format. Das bestätigten die letzten drei Abende des Jahrganges 2002 im Rittersaal des Schlosses.
Der Holländer Fréderic Meinders, für den erkrankten 89-jährigen György Sandor eingesprungen, ließ vor allem in der zweiten Konzerthälfte seinen bezaubernd kantablen, wandlungsfähigen Klavierton aufblühen, etwa in Léon Orthels (um 1970 entstandene) Sonatina Nr. 7. Sonst dominierten nach Quantität und Qualität Meinders' Klavierbearbeitungen, darunter Gounods Ballettmusik aus Margarethe. So mutierte bei Meinders Ersatz zum Genuss.
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| Frédéric Meinders |
Tags zuvor war mit Kolja Lessing ein ganz anderer Pianisten-Typ mit ganz anderer Musik zu erleben. Zunächst bot er – stets apart, sprechend und durchdacht musiziert – eher kleinformatige, doch gewichtige Stücke, darunter zwei in Melancholie getauchte frühromantisch-introvertierte Polonaisen des Mozart-Sohnes Franz Xaver, Felix Petyreks grotesken musikalischen Vatermord am Kompositionslehrer Franz Schreker ("Irrelohe"-Foxtrott) und Philipp Jarnachs tief schürfende Sarabande op. 17 Nr. 2.
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| Kolja Lessing |
In europäischer Erstaufführung erklangen als erstaunlich frühreifes Werk des damals 17-jährigen Zoltán Székely Adagio und Scherzo (1920). Nach der Pause lernten wir dann einen grandios zupackenden Lessing kennen, der in der Sonate op. 2 (1920) des Schreker-Schülers Karol Rathaus selbst bei stürmischsten Oktavgängen und Akkordauftürmungen die manuelle und intellektuelle Kontrolle nie verlor. So ließ uns Lessings Abend lustvoll lernen.
"Was wollen Sie da nun kritisieren?", frozzelte ein alterfahrener Husumer Raritäten-Hörer beim stürmisch gefeierten Schlusskonzert mit dem Duo Tal & Groethuysen. Falls "Kritik" nur "Nörgelei" hieße, hätte er Recht – man könnte begeistert schweigen.
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| Duo Yaara Tal & Andreas Groethuysen |
Viererlei sei aber doch erwähnt: Erstens: Yaara Tal und Andreas Groethuysen sorgten für eine kleine Revolution, da auf dem Raritäten-Podium erstmals zwei Flügel standen.
Zweitens: Hier wurde die hohe Kunst des Vierhändigspiels vorgeführt – mit Verve, Delikatesse und äußerster Reaktionsgewandheit (die selbst minimale Rest-Unschärfen in Schwung umfunktionierte).
Drittens: Ebenso delikat war das Programm. Carl Czernys fesselnd vielschichtiger und drängender f-Moll-Sonate op. 178 (an einem Instrument) folgte die zweiklavierige d-Moll-Sonate op. 66 (1876) des von Tal und Groethuysen wiederentdeckten deutsch-französischen Komponisten Théodore Gouvy – ein harmonisch eigensinniges Werk, das die Künstler hier erstmals öffentlich spielten. Abgefeimt Schweres und klanglich Raffiniertes von Leopold Godowsky (Weber-Paraphrase) und Ignaz Friedmann (Suite op. 70) folgte.
Viertens: Solch fulminanter Schlusspunkt machte Appetit auf Husum 2003 (16.-23. August).
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